Offener Brief an Frau Oberbürgermeisterin Petra Gerlach und die Ratsfrauen und Ratsherren der Stadt Delmenhorst

Mit den Beschlüssen des Rates der Stadt Delmenhorst vom März 2026 ist das Ziel unseres Zusammenschlusses erreicht: Die Graft ist gerettet, wenn die Grundwasserabsenkung dauerhaft fortgeführt und rechtlich, technisch und finanziell abgesichert wird.

 

Das ist der entscheidende Punkt. Über viele Jahre hinweg haben Verwaltung und Stadtwerke Delmenhorst die Grundwasserabsenkung aus den vorhandenen Brunnen an den Graften nur auf Grundlage befristeter wasserrechtlicher Erlaubnisse betrieben. Nach unserer Kenntnis wurden diese Erlaubnisse jeweils nur für kurze Zeiträume, insbesondere für zwei Jahre, von der Unteren Wasserbehörde erteilt. Gerade diese Befristung war für uns immer Ausdruck eines ungelösten Grundproblems: Die Stadt wusste um die Notwendigkeit der Grundwasserregulierung, wollte oder konnte sie aber lange nicht als dauerhaft gesicherte Aufgabe anerkennen.

 

Umso bemerkenswerter ist der nun erkennbare Richtungswechsel der kommunalen Akteure. Was über Jahre als rechtlich schwierig, nur übergangsweise genehmigungsfähig oder politisch nicht dauerhaft abgesichert erschien, wird nun in der Ratsvorlage als fortzuführende und zu optimierende Dauerlösung beschrieben. Diese Entwicklung wirkt aus unserer Sicht nicht organisch vorbereitet, sondern unvermittelt. Über Jahre wurde der Bau eines Wasserwerkes als notwendige Grundlage diskutiert, um die Grundwasserabsenkung dauerhaft zu ermöglichen. Nun soll dieselbe Wirkung offenbar auch ohne neues Wasserwerk erreicht werden können.

 

Wir nehmen diesen Richtungswechsel zur Kenntnis. Entscheidend ist für uns nicht, ob die Stadt ihr Ziel über ein neues Wasserwerk oder über eine dauerhaft genehmigte Grundwasserhaltung erreicht. Entscheidend ist allein, dass die Graft, die angrenzenden Grünflächen, die Bäume, die Gebäude und die betroffenen Siedlungsbereiche dauerhaft vor Vernässungsschäden geschützt werden.

 

Die Akteure im Rat, die den Beschluss mitgetragen haben, haben sich dabei von dem leiten lassen, was für uns von Beginn an oberste Priorität hatte: der Schutz der Graft und die dauerhafte Regulierung des Grundwasserstandes. Die Durchsetzung des Baus eines Wasserwerkes war für uns nie Selbstzweck, sondern immer Mittel zum Zweck. Das Wasserwerk war der Weg, der lange als rechtlich, wasserwirtschaftlich und praktisch tragfähige Lösung erschien.

 

Vor diesem Hintergrund war auch das Abstimmungsverhalten von Ratsmitgliedern aus der Aktionsgruppe „Rettet die Graft“ konsequent. Durch die Verbindung der Beschlüsse mussten sie gegen das Wasserwerk stimmen, um für die Entwässerung und dauerhafte Absicherung der Graft stimmen zu können. Dies haben sie selbstverständlich getan. Denn unsere Priorität war nie der Bau eines Wasserwerkes um seiner selbst willen, sondern immer die Rettung der Graft. Wenn die politische Beschlusslage diese Rettung nun auf anderem Wege absichert, dann ist es folgerichtig, diesen Weg mitzutragen.

 

Wenn die Stadt nun einen anderen Weg wählt und die Grundwasserabsenkung dauerhaft sicherstellt, ist unser primäres Ziel erreicht. Zugleich sagen wir in aller Deutlichkeit: Strategisch und im Sinne einer nachhaltigen Daseinsvorsorge ist diese Lösung für die Stadt Delmenhorst aus unserer Sicht keine gute und keine kluge Entscheidung. Viele frühere Akteure aus den Reihen von SPD und CDU haben über Jahre hinweg völlig zu Recht auf die Lösung einer eigenen Trinkwassergewinnung gesetzt. Dass diese nun vom Tisch ist, bedeutet einen herben Rückschlag für die strategische Wasserwirtschaft und die langfristige Versorgungssicherheit unserer Stadt.

 

Es waren maßgeblich die Stadtwerke Delmenhorst, die eine langfristig gesicherte, unabhängige Trinkwassergewinnung für Delmenhorst am Ende ad acta gelegt haben. Aus unserer Sicht entstand in den vergangenen Jahren der Eindruck, dass der Ausstieg aus dem Wasserwerksprojekt gezielt vorbereitet wurde: durch stetig steigende Kostenprognosen, durch das Ausbleiben konstruktiver Alternativplanungen und durch eine Informationspolitik, die eine transparente Bewertung der Varianten bis zuletzt erschwert hat.

 

Das Ergebnis ist eine Stadt, die zwar ihre Graft rettet, sich wasserwirtschaftlich aber in eine unnötige strategische Abhängigkeit begibt. Unsere Akteure im Rat sind diesen Beschluss dennoch mitgegangen, weil es ihnen gelungen ist, ihn zu einem umfassenden Prüfantrag umzuformen. Dieser soll nun schlussendlich alle tatsächlichen Kosten der Trinkwassergewinnung und ihrer verschiedenen Varianten lückenlos aufzeigen. Eine solche transparente Gegenüberstellung fehlte bis zuletzt. Die Verwaltung hatte sie trotz unserer präzisen Anfragen nicht in der gebotenen Klarheit vorgelegt.

 

Wenn die Grundwasserabsenkung nun dauerhaft erfolgt, ist das Ziel unseres Zusammenschlusses dennoch final erreicht. Wir sagen deshalb klar: Wir haben diese Auseinandersetzung gewonnen. Zugleich fragen wir uns, warum ein solcher Beschluss nicht schon 2011 möglich war. Damals wurde noch behauptet, die Entnahme von Trinkwasser sei nicht möglich, um die Natur zu schützen. Heute wird genau die dauerhafte Grundwasserregulierung, für die wir seit Jahren gestritten haben, als möglich, erprobt und fortführbar dargestellt.

 

Wir erwarten allerdings, dass dieser Beschluss nicht nur politisch erklärt, sondern auch dauerhaft umgesetzt wird. Eine erneute bloße Befristung, eine spätere haushaltspolitische Relativierung oder ein technisches Auslaufenlassen der Brunnenförderung würde dem Ziel widersprechen. Die Graft ist nur dann wirklich gesichert, wenn die Grundwasserabsenkung dauerhaft genehmigt, dauerhaft finanziert und dauerhaft betrieben wird.

 

Wir bedanken uns ausdrücklich bei SPD und CDU für die jahrelange, konstruktive Begleitung in unserem Sinne. Unsere Arbeit als Gruppe stellen wir jetzt ein. Unsere Webseite bleibt online. Wir hoffen, dass sich andere Bürgerinnen und Bürger für die Graft engagieren, falls dies in Zukunft wieder notwendig werden sollte.

 

Für die Kommunalwahl empfehlen wir den Bürgerinnen und Bürgern der Stadt Delmenhorst, die Kandidatinnen und Kandidaten von CDU und SPD zu wählen, damit auch künftig eine breite politische Basis für die Absicherung der Graft gewährleistet ist.

 

 

Mit freundlichen Grüßen

 

 

 

15. März 2026

Aktionsbündnis Rettet die Graft
Dr. Markus Adam - Roswitha Ahrens-Groth - Antje Beilemann - Hans-Joachim Olczyk - Thore Wintermann

 

Mail: [email protected]

 

www.rettet-die-graft.de